G33K @ Work | Basteleien eines Geeks



Jun/10

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Vom Gendern und ASCII-Frauen

Es war einmal, nachts, kurz nach dem alljährlichen Berliner Congress in Berlin, ein Treffen in einem Hackerspace, dem C4, in Köln.
Nach ein paar Flaschen Mate, kommen einem die schrägsten Ideen um den Spieltrieb in sich zu befriedigen.

Als ich so schräg auf den Nadeldrucker in der Ecke schielte und fragte ob der noch funktioniere, wollte ich drucken. Nunja, das nächste anstehende Event war also die SigInt. Wenn man etwas zusammenhackt will man das auch dem breiten Publikum präsentieren können. Nach einiger Zeit hatten wir dann die Idee eine Longcat zu drucken.

Nur der Bauch sieht dann doch etwas leer aus, wenn wir nur den Kopf und dann den “Körper” in Form von Strichen links und rechts am Papierrand drucken. Also was pappen wir da rein? Es gibt da doch dieses Twitter. Also gehen wir flott an die Twitter Suche und schieben alles was mit der SigInt zu tun hat in den Bauch.

Spaß!

Es waren Blödeleien und wir hatten beim Basteln viel Spaß. Deswegen machen wir das.

Als wir dann auf dem Event selbst waren lief das Teil natürlich noch nicht. Die übliche Vorgehensweise: Man hat vorher Monate Zeit und tut nichts. Wenn man dann auf dem Event sitzt fängt man richtig an zu hacken.

Was konnten wir zu dem Zeitpunkt? Unser Mikrocontroller konnte mit dem Drucker reden und hat den Kopf und den Bauch gedruckt. Per serieller Schnittstelle nahm er Text an, der in den Bauch gedruckt wurde. Über diese Schnittstelle sollten über ein Script die Tweets zur SigInt an die Katze geschickt werden.

Durch die üblichen Fuckups funktionierte genau das natürlich nicht.
Irgendwann in der Nacht, als es auf die Party zuging auf die wir auch noch wollten, hatten wir keine Lust mehr. Die Longcat war aber immernoch leer.

Aber… da gibts doch noch ASCII-Art. “Kennt wohl jeder hier”, dachten wir uns und was liegt da näher als was hübsches und historisches zu drucken?
Hey, guck mal. Ein ASCII-Bild einer Frau. Drucken wir das doch.
Nachdem wir dann endlich die ersten Zeichen im Bauch der Katze hatten machten wir den Drucker aus und gingen feiern. Den Rest machen wir dann morgen.

Und da nahm die Katastrophe ihren Lauf…

Am nächsten Tag war dann das Genderpanel. 5 Frauen die über die Probleme der Gleichberechtigung von Frauen in der Hackerszene diskutieren (sic!) wollten.

Wie sich dann im Laufe des Tages herausstellte, haben sie auch über unser ASCII-Bild geredet. Ich selbst war nicht im Genderpanel, deswegen habe ich das auch nur über dritte Personen gehört. Zuerst dachte ich, dass das ganze ein Scherz sei, bis mir immer mehr Leute darüber berichteten.

Was zum Teufel?

Es kam aber auch keiner zu uns und versuchte mit uns einen Dialog anzufangen. Wenn jemand gesagt hätte, das ihn/sie (OMG, jetzt fang ich hier schon an Texte zu gendern…) das stört, hätte ich wahrscheinlich erstmal wegen gewisser Unverständnis wie ein Auto geguckt und etwas gestutzt, aber wir fressen unseren Gegenüber wegen sowas ja nicht, solange wir nicht persönlich angegriffen werden.

Als ich dann später erfuhr, das wir wohl mehr oder weniger im selben Atemzug mit Hardcore Pornografie genannt wurden, wurde ich auch leicht pissig. Ich bin der Meinung diese Frauen im Genderpanel haben uns dazu benutzt zu provozieren. Erstmal nichts schlimmes. Sollen sie doch. Das bringt die Diskussion in Wallung, was auch definitiv passiert ist.
Allerdings bitte ich doch darum, das wir nicht als Sexisten oder Frauenfeinde hingestellt werden, denn genau so kam das rüber.

Sie hatten einfach kein besseres Beispiel dazu. Ich glaube nicht, das das wirklich jemanden gestört hat. Sie brauchten nur irgendwas, um Leute zu denunzieren und aus einer Mücke einen Elefanten zu machen.
Sie haben zwar nicht unsere Namen genannt, es war aber unvermeidlich, das jeder wusste wer wir waren, da wir den ganzen Tag neben dieser gedruckten Katze saßen.

Und was hat das mit Behandlung von Frauen zu tun? Nur, weil ich/wir ein ASCII-Bild einer Frau gedruckt haben, heißt das nicht das wir Frauen anders behandeln oder sie gar zu einem Sexobjekt degradieren. Es war ein ASCII-Bild. Nichtmal eine reale Fotografie einer Frau. Deswegen ist es so unverständlich für mich, wie sich da jemand angegriffen fühlen kann.
Zumal die Frauen ja Gleichberechtigung wollen. Wenn wir also wegen den anwesenden Frauen kein Bild drucken, ist das dann noch Gleichberechtigung?

Um dann aber sicher zu gehen, das sich die Frauen nicht benachteiligt fühlten, haben wir uns dann doch ans Herz gefasst und auch einen Mann gedruckt. Sie appellierten ja wie gesagt auch, das wir sie gleich behandeln sollen.

So viel zu meiner persönlichen Sichtweise zu der ganzen Sache.

Als zweites will ich hier noch kurz betonen, das dieses ASCII-Art seit Urzeiten zu unserer (Hacker-/Nerd-)Kultur gehört. MSPro hat das sehr schön in seinem Post über Plattformneutralität dargestellt.
Und wer sich in solchen Kreisen bewegt, hat das nunmal zu akzeptieren. Selbst, wenn da Frauen gedruckt werden.

… und wenn das Farbband hält, dann drucken sie noch heute.

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5 Kommentare for Vom Gendern und ASCII-Frauen

Jeremy | 2. Juni 2010 at 23:31

Oh Mann, diese Diskussion ist so typisch “Mensch”. Hauptsache, die Leute haben was, worüber sie sich aufregen können. Im Grunde genommen ist das nicht weit von jenen TV-Opfern entfernt, die dank ihrem Leitmedium der festen Überzeugung sind, im Internet gäbe es eh nur Kriminelle und Kinderpornografie.

Ich habe die Diskussion auch nur via Twitter und nachher den Bericht auf Heise (wo im Artikel dein yfrog Bild verlinkt wurde) verfolgt. Dennoch:

Wer sich über ASCII-Porn ernsthaft aufregt, oder das auch nur als Aufhänger nutzt, über den kann ich wirklich nur noch lachen. Gerade bei Haeksen (war das jetzt richtig?) sollte man eigentlich meinen, sie wären sich der ASCII-Kultur bewusst.

Ja, ich (wir bösen Männer) habe keine Ahnung vom Genderkram und die Feministinnen sind ja ach so erfahren darin. Dann lasst uns bitte in Ruhe mit eurem Scheiß, auch ihr müsst erkennen, dass es wichtigere Themen gibt. Nur weil wir nicht penibel auf jede Befindlichkeit achten, sind wir nicht automatisch frauenfeindliche Vollidioten, die Hardcore-Porn befürworten.

Mich nervt, dass da kein Dialog stattfindet. Man hat direkt seinen Bösewicht gefunden, keinen Zweifel. Das ganze weißt erschreckende Parallelen mit der Diskussion um Internetsperren auf. Da hört der RTL-gucker auch nicht, was die Internetbewohner (wir) zu sagen haben.

Im ernst, mach dir nichts draus. Diesen Menschen ist nicht zu helfen. Pure Zeitverschwendung, sowas.

Author comment by Andy | 2. Juni 2010 at 23:35

Die Sache ist die: Es geht hier nicht darum, das die Frauen diese Diskussion geführt haben.
Ich hab ja selbst schonmal nen fiesen Spruch gegenüber einer Frau losgelassen, für den ich mich im Nachhinein entschuldigen musste. Ich verstehe ja auch ihre Position, das es schwer ist sich in so einer Männerdomäne zurecht zu finden.
Ich bin lediglich sauer und enttäuscht, wie sie die Sache mit dem ASCII-Art aufgegriffen und uns vorgeführt haben. Eben weil sie nur einen Aufhänger brauchten und keinen besseren gefunden habe.
Und genau das wollte ich so nicht stehen lassen.

Dr. Azrael Tod | 2. Juni 2010 at 23:36

Ich finde ja diese ganze Gendersache ziemlich zum schießen… klar ist die Welt ungerecht und klar sollte man gegen so Sachen wie Benachteiligung im Job versuchen was zu tun, aber dieser ganze Kindergarten-Müll den hier einige abziehen… *kopfschüttel*

Berufsnamen sind historisch gewachsen, es gibt ja auch keinen Krankenbruder und der Putzmann ist auch eher eine Ausnahmeerscheinung. Andere Bereiche sind nunmal einfach darin bedingt dass Männer und Frauen nunmal eindeutig unterschiedlich sind. Männer konsumieren im allgemeinen nunmal erheblich mehr Porno & co als Frauen, daher gibt es dafür auch einen größeren Markt.
Wer sich darüber aufregt, Frauen würden dadurch generell als Sexobjekte betrachtet, der muss auch gegen das von Schnulzenbüchern und Liebesfilmchen verbreitete Bild vom reichen Weltmann/Prinzen auflehnen der daher kommt und die Frau jahrelang umwirbt.

… oder man lässt es halt und kümmert sich um wichtige Probleme (das wäre doch mal Gleichberechtigung, wenn keiner mehr über sowas nachdenkt!).

BTW: deine Zertifikate sind b0rken, https wirft hier paar nette Fehler ;-)

janne | 3. Juni 2010 at 11:46

Ich find Dr. Tod hat recht.
Ich bitte um die Konsequenz sowohl gegen negative als auch gegen positive Diskriminierung beider Geschlechter vorzugehn.

Is das mit den Frauen jetzt blos so dramatisch, weils da mehr oder weniger periphär, auch um Sex geht?
Ich sag ja immer: Man kann sich auch selbst diskriminieren, in dem mal erstmal rum heult. Damit bestätigt ‘frau’ auch gleich wieder ein Vorurteil.
Ich hab immerwieder das Gefühl, einige meiner ‘Mit-Frauen’ machen mir das Frau-sein alles andere als leichter.
Und wenn ich dann sag, dass ich Feminismus nicht vorbehaltslos unterstützen kann weils da extreme Tendenzen gibt, dann wird mir das Frau-sein abgesprochen.
Meine Güte, gings nicht um Gleichberechtigung? Was is das für Gleichberechtigung in der die Rollenverhältnisse einfach umpolarisiert werden… Is ja nich denkbar, dass dann vielleicht früher oder später die ‘Männer hinterm Herd’ mit einer ‘Gegenrevolution’ kommen…
Schlagt doch gegenseitig auf euch ein… wir ‘vernünftigen’ halten uns da raus und hoffen auf den Darwin-Effekt… *grummel*
Und lasst die Finger von der Sprache :\ MitbürgerInnen liest sich beschissen, optischer Schluckauf… Ich fühl mich auch als Mitbürger angesprochen, und rede von mir selbst nur dann als Informatikerin wenn es wirklich wichtig ist mein Geschlecht zu betonen, zB in ‘Ich war die einzige Informatikerin auf der Veranstaltung’, benutze aber parallel dazu ‘Wir Informatiker waren mit dem Ergebnis zufrieden’ wenn es nicht aufs Geschlecht ankommt. Ob das alles Männer waren oder auch Frauen kann man ja an so Details wie erwähnten Namen, zB, feststellen. Ich weis auch nicht, warum wir da im Deutschen ein Thema draus machen müssen, während es im romanischen Sprachraum völlig normal ist, dass ‘gemischte Gesellschaften’ automatisch grammatikalisch männlich sind und nur ‘reine Frauengruppen’ grammatikalisch weiblich.
Letztlich sind wir doch alle blos Menschen… Manche haben Titten, manche haben rote Haare, manche haben nur ein Bein… macht deswegen kein Theater…

Andreas | 3. Juni 2010 at 15:32

Jungs, das Genderpanel hat deutlich differenzierter argumentiert als ihr das hier wahrnehmt. Sich an ASCII-Art zu stoßen fand ich aber dann doch schon ein wenig seltsam, und die Lösung, da auch einen Mann danebenzuhängen, eine gute. Ragni hat zurecht darauf hingewiesen, daß der nicht nackt war, aber nun ja.

Im übrigen muß ich mal festhalten, daß man dieses Gender-Problem nicht einfach mit einem Schulterzucken abtun kann. Die weiblichen Hacker, die ich kenne, berichten fast ausnahmslos von Schwierigkeiten aufgrund von Vorurteilen. Zum Beispiel weil die Eltern ihnen keinen Computer gekauft haben als Kind, dem Bruder aber schon (weil Computer ja was für Jungs ist). Oder das typische “mit wem bist du denn hier” im Club, oder “gib mal her, du kannst das nicht”.

Natürlich können wir nicht die gesamte Gesellschaft auf einmal ändern. Aber ich finde schon, daß wir eine Verantwortung dafür haben, daß in unserer Szene den sowieso viel zu wenigen interessierten Frauen keine weiteren Steine in den Weg gelegt werden.

In Malaysia sind übrigens mehr als die Hälfte der Programmierer weiblich. Das gibt da nämlich als Frauenarbeit, man ist ja die ganze Zeit drin. “Echte Männer” arbeiten draußen. Der Gender-Bias bei uns ist 100% sozial generiert, und hat nicht das geringste mit Veranlagung oder angeborenen typischen Interessen zu tun.

Und im übrigen steht auch Pornographie nicht im Widerspruch zu Gender-Gerechtigkeit. Frau Schwarzer vertritt vielleicht diesen Standpunkt (und das auch so lautstark, daß sich manche Frauen genau wegen ihr nicht als Feministen bezeichnen, obwohl sie genauso für Gender-Gerechtigkeit kämpfen), aber schon unter den Feministen findet man da andere Standpunkte.

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